Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Geschwister,

in Deutschland nimmt die Zahl antisemitischer Übergriffe zu. Es werden öffentlich und im Internet, in den Sozialen Medien judenfeindliche Äußerungen getätigt. Manche Jüdinnen und Juden fühlen sich deshalb in unserem Land nicht mehr sicher. Ich bin entsetzt darüber, wie in unserer Gesellschaft Judenfeindschaft neu aufflammt, wie sie sich zeigt in Hetze und Hass, in Mobbing und Übergriffen.

In letzter Zeit sind wir schon verstärkt gemeinsam aufgestanden, um zu zeigen, dass Judenfeindschaft in Deutschland keinen Platz haben darf.

Gemeinsam haben wir in Berlin die Kippa öffentlich getragen, nachdem ein Kippa tragender junger Mann dafür angegriffen wurde. Gemeinsam sind wir zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht auf die Straße gegangen, um der Opfer der Shoa zu gedenken und der Gesellschaft deutlich zu machen, dass wir jeder Form von Judenfeindschaft offen entgegentreten. Innerhalb kürzester Zeit haben sich 250.000 Menschen über die Plattform #unteilbar aufrufen lassen, gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zu demonstrieren. Ich bin dankbar für die Bündnisse, an denen unsere Kirche in Berlin, in Brandenburg und in der schlesischen Oberlausitz beteiligt ist oder die sie selber initiiert und leitet, die die gesellschaftliche Entwicklung wach verfolgen und Maßnahmen entwickeln, um Rechtsextremismus und Antisemitismus entgegenzuwirken.

Die Geschichte der Kirche zeigt, dass Christinnen und Christen Mitverantwortung für die Judenfeindschaft in der Vergangenheit tragen.

In besonderer Weise sind wir deshalb aufgerufen, die Erinnerung an die Shoa wach zu halten und Judenfeindschaft zurückzuweisen und abzuwehren, überall wo sie aktuell auftritt, in Kirche und Gesellschaft. Eine besondere Herausforderung ist es, die aus der Vergangenheit gezogenen Lehren an die nächste Generation weiterzugeben. Dabei ist es wichtig, dass die Gegenwart jüdischen Lebens im Kampf gegen Antisemitismus ein noch viel stärkeres Gewicht bekommt. Ich finde es zum Beispiel großartig, dass junge Menschen sich in einem Projekt des Zentralrates der Juden dafür ausbilden lassen, in Schulklassen zu gehen und von ihrem Alltag als Menschen jüdischen Glaubens zu erzählen. Bildungsarbeit muss neben der Vergangenheit auch die sehr lebendige und vielfältige jüdische Kultur der Gegenwart vermitteln.

Als Christinnen und Christen leben wir im lebendigen Gespräch mit dem Judentum, denn ohne das Judentum gäbe es kein Christentum. Dieser Zusammenhang wurde lange geleugnet. Die Broschüre will dieses Verwobensein, das vielfach nicht gewusst wird, bewusst machen.

Ich möchte Sie einladen, in den Gemeinden und Einrichtungen unserer Kirche miteinander über die Themen dieser Broschüre ins Gespräch zu kommen. Die hier gesammelten Informationen und Diskussionsgrundlagen mögen Sie dabei unterstützen.

Den Autorinnen und Autoren dieser Broschüre danke ich herzlich, und vor allem Aline Seel, die die Redaktionsleitung hatte. Dankbar bin ich auch für die fruchtbare Kooperation mit dem Institut Kirche und Judentum und der Evangelischen Akademie Berlin.

Ihr Bischof Markus Dröge

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Inhaltsverzeichnis der Broschüre

Vorwort von Bischof Markus Dröge

Grundlagen

  • Gottesdienst als Begegnungsraum (Aline Seel)
  • Antisemitismuskritik in Kirche und Theologie heute (Christian Staffa)
  • Enterbungstheologie als Kern des christlichen Antijudaismus (Henning Flad)
  • Ein nie abgeschlossener Weg. Zur Geschichte und Bedeutung des jüdisch-christlichen Gesprächs (Andreas Goetze)

Impulse für den Gottesdienst

  • Votum (Christian Staffa)
  • Psalmen (Sylvia Bukowski)
  • Nächstenliebe (Paul Petzel/Norbert Reck)
  • Heilige Schrift (Claudia Janssen)
  • Zum Verlernen: Alttestamentarisch? – Alttestamentlich! (Helmut Ruppel)
  • Credo (Christian Staffa/Helmut Ruppel)
  • Predigt (Alexander Deeg)
  • Vergebung (Paul Petzel/Norbert Reck)
  • Abendmahl (Aline Seel)
  • Beten (Christian Stäblein)
  • Vater unser (Katharina von Kellenbach)
  • Aaronitischer Segen (Anne Gidion)
  • Kirchenlieder (Matthias Loerbroks)

Weiterarbeit

  • 10 Thesen zum christlich-jüdischen Gespräch (Peter von der Osten-Sacken)
  • Zum Vernetzen und Weiterlesen

Nachwort von Christoph Markschies

AG

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