Beschluss »Verhältnis zu unseren jüdischen Mitmenschen« (1992)

© Landessynode der Württembergischen Evangelischen Landessynode, Beschluss »Verhältnis zu unseren jüdischen Mitmenschen« (zuletzt veröffentlicht auf den Seiten der ELK-WUE)

 

Beschluss »Verhältnis zu unseren jüdischen Mitmenschen« vom 26.11.1992


 

Mit Besorgnis beobachten wir das Wiederaufleben antisemitischen Ungeistes in unserem Land. Wir sehen uns verpflichtet, allen Äußerungen dieses Ungeistes entschieden zu widerstehen.

An die Gemeinden richten wir die dringende Bitte, verstärkt an der Neuorientierung im Verhältnis zum Judentum mitzuarbeiten. Es muss unser aller Aufgabe sein, die auch auf christlicher Tradition gründenden Vorurteile gegenüber dem Judentum abzubauen und dem immer wieder in unserem Land aufflackernden Antijudaismus bzw. Antisemitismus und der Israelvergessenheit entgegenzuwirken. Dabei können die Erklärung des Oberkirchenrats und der Landessynode vom 15. September 1988 zum Judenpogrom „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 und die EKD-Studie „Christen und Juden“ (II) von 1991 gute Ausgangspunkte sein. Wir ermutigen die Gemeinden, sich auf den Weg zu machen und bitten Gott, dass er uns helfe zur Umkehr im Glauben und Tun.

Zugleich regen wir an, dass die theologische und kirchliche Ausbildung noch stärker auf das Verhältnis von Judentum und Christentum eingeht, und dass auf christlicher Seite vermehrt Voraussetzungen zu einem Gespräch zwischen Judentum und Christentum geschaffen werden. Hierzu gehört notwendig die Besinnung auf die gemeinsamen biblischen Wurzeln. Dabei ist festzuhalten, dass die „biblische Verheißung des Landes ein tragendes Element der jüdischen Tradition“ darstellt (vgl. EKD-Studie Christen und Juden II, S. 19), wobei der säkulare Staat Israel hinsichtlich seiner Politik denselben Kriterien unterliegt wie die übrige Völkergemeinschaft (vgl. aaO. S. 57). Möglichkeiten, das Gespräch zu fördern, sehen wir besonders in Unterricht und Verkündigung, in Bibelwochen und in Reisen ins Land der Bibel.

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