Stellungnahme zum Thema Antisemitismus (2010)

© Lutherische Europäische Kommission Kirche und Judentum (LEKKJ), 10.–13.06.2010 (zuletzt veröffentlicht auf den Seiten der LEKKJ)

 

»Stellungnahme der LEKKJ zum Thema Antisemitismus verabschiedet auf der Tagung in Budapest vom 10.‐13. Juni 2010«


 

Mit großer Besorgnis beobachten wir eine neue Welle von Antisemitismus und Rassismus, die sich in Europa ausbreitet. In Ungarn, dem Land unserer diesjährigen Tagung, sehen wir mit Schrecken die Wahlerfolge der rechtsextremen Jobbik‐Partei. Wir nehmen Angst und Verunsicherung in der ungarischen Gesellschaft wahr.

Wir appellieren an unsere Kirchenleitungen, an jede Christin und jeden Christen, eindeutig gegen Antisemitismus und Rassismus Position zu beziehen. Wir erinnern an das Wort des Ökumenischen Rates der Kirchen von 1948, der „Antisemitismus als Sünde gegen Gott“ brandmarkt.

Wir rufen dazu auf, sich an die Seite all der Menschen zu stellen, die bedroht und verfolgt werden. In Ostmitteleuropa zählen hierzu vor allem Juden, Roma und Sinti. Wir fordern alle gesellschaftlichen und politischen Kräfte, insbesondere auch die Kirchen auf, gemeinsam gegen Rassismus und Antisemitismus zu kämpfen.

Folgende Handlungsorientierung ist uns wichtig:

  • ­Kirchliche, schulische und außerschulische Bildungsarbeit zu leisten
  • Eine Kultur des respektvollen Umgangs und des Vertrauens zu leben und zu fördern
  • Netzwerke zu bilden, die politische und kirchliche Initiativen verknüpfen
  • Antisemitische Vorfälle und Straftaten zu dokumentieren

Neben Kirchenleitungen, Parteien und der Justiz ist jeder einzelne Mensch gefordert. Beispielhaft ist die Initiative von lutherischen Christinnen und Christen in Ungarn mit dem Motto: cinkos, aki néma („Wer schweigt, wird zum Mittäter“, nach einem Gedicht von Mihály Babits). Die Initiative veranstaltet Seminare mit dem Ziel, Menschen in bedrohlichen Situationen Angst zu nehmen und Handlungsmöglichkeiten einzuüben.

Wir schließen uns der Aufforderung der evangelischen Kirchen in Österreich an: „Schauen Sie nicht weg, wenn in Ihrer Umgebung rechtsextreme Haltungen deutlich werden, widersprechen Sie … werden Sie aktiv, wenn Menschen zu Opfern von Vorurteilen und Intoleranz werden.“

AG

c/o Ev. Akademie zu Berlin
Charlottenstraße 53/54
10117 Berlin (Mitte)
[email protected]