Votum der Landessynode (1985)

© Landessynode der Evangelischen Landeskirche Greifswald (heute: Evang.-Luth. Kirche in Norddeutschland), Votum, 03.11.1985 (zuletzt veröffentlicht auf den Seiten von imDialog.de)

 

Wortlaut des Votums vom 03.11.1985


 

Die Synode hat den Bericht des Arbeitskreises „Kirche und Judentum“ aufmerksam gehört. Sie sieht in den Bemühungen um das jüdisch-christliche Gespräch einen wichtigen Versuch, bei der Bewältigung unserer schuldbeladenen Vergangenheit zu helfen. Zugleich erhofft sie von diesem Gespräch einen Beitrag dazu, auch in der Gegenwart nach neuen Wegen zum verständnisvollen Umgang mit Menschen anderer Kulturen zu suchen.

Die Synode erkennt dankbar, daß der jüdisch-christliche Dialog neue Bereiche des biblischen Glaubenszeugnisses erschließen kann. Dabei sieht sie mit Schmerz, daß es oft auch einen vermeintlich christlich begründeten Antijudaismus gegeben hat, der dem Antisemitismus Vorschub leistet. Darum bittet die Synode die Mitarbeiter im Verkündigungsdienst, alles zu vermeiden, was zur Verfestigung von Vorurteilen oder gefährlichen Vereinfachungen bei der Beurteilung jüdischen Glaubens in Vergangenheit und Gegenwart führen kann. Sie bittet die Gemeinden, sich nach Möglichkeit Zeugnisse jüdischer Kultur und Geschichte zu erschließen und weist auf die entsprechenden Angebote des Arbeitskreises hin. Die Synode erklärt ihr Erschrecken über Vorgänge und Nachrichten aus dem heutigen Staat Israel und dem gesamten Vorderen Orient. Sie ruft die Gemeinden auf zum Gebet für einen wirklichen Frieden und für Anfänge gelebter Versöhnung gerade in diesem Teil der Welt, dem alle Christen sich in besonderer Weise verbunden fühlen.

Die Synode hofft auf eine Stärkung der Verbindungen zu den Kirchen im Nahen Osten, damit aus der erlebten Gemeinschaft des Glaubens auch gemeinsamer Friedensdienst wachsen kann.

Die Synode bittet darum, daß angesichts der unvorstellbaren deutschen Schuld am jüdischen Volk in den Medien unseres Landes mit Zurückhaltung und Sorgfalt über die aktuellen Probleme informiert wird.

Download PDF

AG

c/o Ev. Akademie zu Berlin
Charlottenstraße 53/54
10117 Berlin (Mitte)
[email protected]