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Aktion Sühnezeichen Friedensdienste / Vorstand der AG Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag / Institut Kirche und Judentum an der Humboldt Universität zu Berlin. Werk der EKBO

 

Berlin, den 7. Mai 2018

 

Am 1. Mai 2018 verlas die Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers eine Meldung (ab Minute 9:23), die in Gänze folgenden Wortlaut hatte:

„Palästinenserpräsident Abbas hat den Juden eine Mitschuld an ihrer Ermordung durch die Nationalsozialisten gegeben. Vor dem palästinensischen Nationalrat sagte er gestern, der Holocaust sei nicht durch Antisemitismus ausgelöst worden, sondern durch das soziale Verhalten der Juden, etwa das Verleihen von Geld. Abbas betonte aber zugleich, die Palästinenser wollten einen eigenen Staat, um zusammen mit Israel in Frieden leben zu können.“

Die Tagesschau-Redaktion ließ dieses klassisch antisemitische Stereotyp vom „jüdischen Wucherer“ unverständlicherweise unkommentiert. Dabei hatte Herr Abbas dieses auch noch zynisch und kaum je in dieser expliziten Form so unverschämt benutzte Bild als Grund für die Ermordung von 6 Millionen Juden angeführt. Mit dem Satz „Abbas betonte aber zugleich…“ suggeriert dann die Redaktion, dass die Tatsache, dass es aus Abbas Perspektive zwei Staaten geben solle, den antisemitischen und menschenverachtenden Charakter des ersten Satzes einschränke oder gar aufhebe.

Das Verhalten der Tagesschau zeigt auf, dass die gebetsmühlenartig vorgetragene Notwendigkeit, den Antisemitismus in unserer Gesellschaft zu bekämpfen, zu oft nicht ernstgenommen wird. Das Bild des „jüdischen Wucherers“ ist neben dem  Gottesmordvorwurf eines der zentralen und  in seinen Auswirkungen mörderischen antisemitischen Stereotype. Dass die Tagesschau-Redaktion dies nicht kritisch einordnete, verweist einmal mehr auf den Tatbestand, dass höhere Bildung nicht automatisch zu Wachsamkeit und Aufbegehren gegen antisemitische Denk- und Handlungsformen führt.

Angemessen wäre nun eine Entschuldigung und für die Zukunft vor allem eine andere Berichterstattung – sonst bliebe die Entschuldigung leer.

Antisemitismus: Drei Organisationen kritisieren „Tagesschau“Vorwurf: Aussagen von Palästinenserpräsident Abbas blieben unkommentiert

Berlin (idea) – Mehrere Organisationen haben der „Tagesschau“ (ARD) einen unkritischen Umgang mit einer Rede des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas vorgeworfen. Am 1. Mai berichtete die Tagesschau über eine Rede von Abbas, in der er Juden eine Mitschuld für ihre Ermordung durch die Nationalsozialisten gegeben hatte. Vor dem palästinensischen Nationalrat hatte er am 30. April gesagt, der Holocaust sei nicht durch Antisemitismus ausgelöst worden, sondern durch das soziale Verhalten der Juden, etwa das Verleihen von Geld. Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag (beide Berlin) und das Institut Kirche und Judentum an der Humboldt-Universität zu Berlin kritisierten, dass die Tagesschau über die antisemitischen Äußerungen von Palästinenserpräsident Abbas „unverständlicherweise“ unkommentiert berichtet habe: „Das Bild des ,jüdischen Wucherers‘ ist neben dem Gottesmordvorwurf eines der zentralen und in seinen Auswirkungen mörderischen antisemitischen Stereotype.“ Das zeige, dass höhere Bildung nicht automatisch zu Wachsamkeit und Aufbegehren gegen antisemitische Denk- und Handlungsformen führe. Das Verhalten der „Tagesschau“ mache deutlich, dass „die gebetsmühlenartig vorgetragene Notwendigkeit, den Antisemitismus in unserer Gesellschaft zu bekämpfen, zu oft nicht ernstgenommen wird.“ Angemessen wäre vor diesem Hintergrund eine Entschuldigung, so die drei Organisationen.

 

ARD weist Vorwürfe zurück

Der Erste Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke (Hamburg), wies die Kritik auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea zurück. Die Redaktion habe die Äußerungen des Palästinenserpräsidenten als gravierend und antisemitisch eingeschätzt: „Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, über die Rede möglichst schnell zu berichten. Es ist nicht Aufgabe der Tagesschau, Ereignisse zu kommentieren, aber wir sind überzeugt, die Äußerungen von Abbas sprechen für sich.“ Sobald Reaktionen auf die Abbas-Rede vorlagen, habe man auch darüber informiert. Abbas hat sich mittlerweile für seine Aussagen entschuldigt. Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste engagiert sich seit der Gründung vor 60 Jahren mit Freiwilligendiensten, Bildungsarbeit und Kampagnen gegen Antisemitismus, Rassismus und Geschichtsvergessenheit. In der Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag arbeiten nach eigenen Angaben jüdische und christliche Mitglieder an einem Dialog auf Augenhöhe. Das 1960 gegründete Institut Kirche und Judentum an der Humboldt-Universität zu Berlin ist ein Werk der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Es setzt sich mit der Geschichte des christlich-jüdischen Verhältnisses auseinander. Leiter des Instituts ist der Theologe Prof. Christoph Markschies.

(idea/09.05.2018)

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